Junges Freiburg zeigt Auflösungserscheinungen

Am 29.7.12 könnte es soweit sein: Die derzeitigen Mitglieder von Junges Freiburg beschließen die Auflösung der Wählervereinigung Junges Freiburg e.V.. Als ehemaliges und Gründungsmitglied sehe ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Als wir die Philosophie von Junges Freiburg entwickelt haben, legten wir immer großen Wert darauf, dass wir ein Projekt sind. Ein Projekt hat ein Anfang und auch ein Ende. Dieses Projekt ist jetzt zu Ende? Das kann man Schade finden, aber die wichtigere Frage ist, was hat dieses Projekt gebracht? Was war die Vision?

Junges Freiburg sollte den „jungen Blickwinkel“ in den Gemeinderat bringen. Konkret sollten nicht Erwachsene über Jugendliche sprechen, sondern junge Leute sollten gemeinsam mit Erwachsenen über Jugendpolitik auf Augenhöhe diskutieren. Als Stadtrat sitzt man im Entscheidungsgremium und hat auch eine Stimme zum entscheiden. Dies ist über zwei Legislaturperioden mit zwei Stadträten und in der dritten mit einer Stadträtin geglückt.

Als weiteres Ziel gab es, Menschen und vor allem Jugendliche an der Politik zu beteiligen. Z.B. gab es für die Erwachsenen den Beteiligungshaushalt und für Junge Menschen das Projekt “Jugend im Haushalt”. Darüber hinaus hat Junges Freiburg immer Angeboten, das junge Leute die Möglichkeit haben sich über Kommunalpolitik zu informieren, sich zu beteiligen, mit zu reden und auch mit zu stimmen.

Was war der Auslöser, warum Junges Freiburg entstanden ist? Damals war Gabi Rolland mit Mitte dreißig die jüngste Gemeinderätin und das Durchschnittsalter bei über 50 Jahre. Leider war der Gemeinderat von der „älteren“ Generation dominiert. Ein weiteres Problem war, das in etablierten Parteien junge Kandidatinnen und Kandidaten keine Chance hatten über ihre Listen in den Gemeinderat einzuziehen. Es gab in den verschiedenen Parteien junge Parteisoldaten, welche ihre politische Karriere beginnen wollten. Eines einte sie. Sie hatten auf ihrer Parteienliste keine Chance in den Gemeinderat zu kommen. Die CDU setzte Daniel Sander auf Platz drei der Kommunalwahlliste. Der Wähler reichte ihn auf einen Mittelplatz durch. Dieses Schicksal teilten die Kollegen aus den anderen Parteien ähnlich. Nicht so bei Junges Freiburg. Hier wurden zwei mal zwei Kandidaten gewählt.
Was hat sich im Gemeinderat geändert. Schauen wir den Gemeinderat heute an, dann hat auch hier sich die Altersstruktur ganz klar geändert. Mit Kai-Achim Klare ist ein Kücken nachgerückt und seine restlichen Kollegen/innen drücken zwar den Altersdurchschnitt, aber der Rat ist in Bezug auf den vertretenden Generationen viel ausgeglichener als früher.

Die Vision von damals hat die Politik verändert. Die drei zentralen Punkte sind mehr oder weniger erreicht. Erfolgreich Politik zu betreiben Bedarf kreativer Ideen, einer übergeordneten Vision die erreicht werden soll und Menschen die Aufgrund der Vision zum Handeln angeregt werden. Darf dann ein Projekt zu Ende gehen? Ja, wenn die Vision erreicht oder nicht mehr erreicht werden kann, die Menschen nicht mehr zu Handlung motiviert werden können, dann ist so ein Projekt beendet.

Das Projekt hätte natürlich auch wachsen können zum „jungen Baden-Württemberg“ oder „jungen Deutschland“. Dann wäre es heute eine etablierte Partei und genauso langweilig wie CDU, SPD, FDP, Grüne und langsam aber sicher Die Linke.

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Am Dienstag, den 17. Juli 2012 berichtete Joachim Röderer von der Badischen Zeitung: “Junges Freiburg steht vor der Auflösung – Im Verein der Jugendinitiative geht nichts mehr / Am Wochenende stimmten die Mitglieder ab”. Hier geht es zum Artikel der Badischen Zeitung. Einfach anklicken!